Die Akutphase kontrollieren, langfristig rehabilitieren: Reagila® im Praxisalltag bei Schizophrenie

„Cariprazin zeichnet sich durch einen einzigartigen Wirkmechanismus aus, der es ermöglicht, das Antipsychotikum in allen Phasen der Schizophrenie wirksam und vergleichsweise sicher anzuwenden“, so lautete das knapp zusammengefasste Expertenfazit im Rahmen einer von Recordati Pharma durchgeführten Veranstaltung*. Prof. Dr. med. Göran Hajak, Chefarzt und Leiter der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Klinikums Bamberg, und Jörg Hummes, Oberarzt an der Klinik Königshof Krefeld – Fachklinik für Psychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik und Neurologie, schilderten auf Basis von Studienergebnissen und anhand eigener praktischer Erfahrungen, wie sich Reagila® (Cariprazin) von anderen verfügbaren Therapien unterscheidet und welche Anwendungsvorteile sich dadurch in der stationären Akut- und der ambulanten Langzeittherapie ergeben. Hierbei zeichnet sich ein klares Bild ab: Bei möglichst frühzeitiger Einstellung auf Reagila® profitieren die Patienten nicht nur von der breiten Wirksamkeit und vergleichsweise guten Verträglichkeit des Antipsychotikums, sondern auch von einer Steigerung ihrer psychosozialen Funktionalität im Alltag.1Fagiolini A et al. Ann Gen Psychiatry. 2020;19:55 Verantwortlich hierfür ist das einzigartige Rezeptorprofil von Reagila® und die Wirkung als Partialagonist der D2/D3-Dopaminrezeptoren mit höchster D3-Affinität.2Kiss B et al. J Pharmacol Exp Ther. 2010;333(1):328–3403Stahl SM. CNS Spectrums. 2017;22:375–384

Mit Reagila® akute Schizophrenie-Symptome gut kontrollieren

Jörg Hummes berichtete darüber, wie Reagila® in der stationären Akutbehandlung eingesetzt wird und ging dabei zunächst auf die umfassenden Ergebnisse klinischer Studien ein. So wurde in mehreren Studien die Wirkung von Reagila® bei Patienten mit akuten Exazerbationen der Schizophrenie untersucht.4Durgam S et al. Schizophr Res. 2014;152:450–4575Durgam S et al. J Clin Psychiatry. 2015;76:1574–15826Kane JM et al. J Clin Psychopharmacol. 2015;35:367–373 Dabei zeigte sich eine signifikante und dosisabhängige Verbesserung des PANSS**-Gesamtscores im Vergleich zu Placebo, bei in der Regel guter Verträglichkeit. 4Durgam S et al. Schizophr Res. 2014;152:450–4575Durgam S et al. J Clin Psychiatry. 2015;76:1574–15826Kane JM et al. J Clin Psychopharmacol. 2015;35:367–373 Auch bei Betrachtung einzelner Symptomgruppen der PANSS-Skala, wie Positivsymptomatik, Negativsymptomatik, desorganisiertem Denken, Erregbarkeit/Feindseligkeit oder Angst/Depression, erwies sich die Reagila®-Therapie der Placebo-Behandlung signifikant überlegen (Abb. 1). Die Studien haben dabei gezeigt, dass sich Reagila®, entgegen der allgemeinen Empfehlung einer möglichst langsamen, schrittweisen Ein- und Umstellung bei akuter Exazerbation auch zügig bis zur maximal zulässigen Tagesdosis von 6 mg/Tag aufdosieren lässt.1Fagiolini A et al. Ann Gen Psychiatry. 2020;19:554Durgam S et al. Schizophr Res. 2014;152:450–4575Durgam S et al. J Clin Psychiatry. 2015;76:1574–15826Kane JM et al. J Clin Psychopharmacol. 2015;35:367–373 „Die zügige Aufdosierung Cariprazins im Akutfall wird in der Regel gut vertragen, dies haben klinische Studien gezeigt und es bestätigt sich auch in der Praxis“, so Hummes.

Dass sich die in Studien beobachtete Wirksam- und Verträglichkeit von Reagila® im Klinikalltag reproduzieren lässt, unterstrich Hummes zudem anhand von zwei Patientenfällen.

Patientenfall 1:
Bei einem 23-jährigen Patienten mit ausgeprägtem Stimmenhören, Verfolgungswahn, „schlechtem“ Körpergefühl und Antriebsarmut führte die Behandlung mit Reagila® zu einer deutlichen Symptomverbesserung und ermöglichte eine stationäre Entlassung nach bereits sieben Wochen. Nach anfänglicher Sedierung mit Lorazepam 1 mg/Tag über drei Tage (2 x 1 mg am Aufnahmetag) und anschließender Einstellung auf Reagila® 4,5 mg/Tag, zeigte sich nach fünf Wochen eine signifikante Verbesserung der dominanten Wahnsymptomatik und des Körpergefühls.

Patientenfall 2:
Ein 19-jähriger Cannabis konsumierender Patient mit familiärem Hintergrund für Schizophrenie und persistierend ausgeprägter Wahnsymptomatik konnte nach achtwöchiger Behandlung in die ambulante psychiatrische Pflege mit Reagila® 6 mg/Tag entlassen werden. Der zuvor zurückgezogen lebende und desorganisierte Patient war von Wahnideen verfolgt und nicht in der Lage, seinen Alltag zu gestalten. Bei letzter Rückmeldung im Dezember 2020 gab der Patient an, ein Studium begonnen zu haben und auf den Konsum von Cannabis zu verzichten. Laut dem Patienten zeigte die Reagila®-Behandlung zu keiner Zeit Nebenwirkungen.

Steigerung der Alltagstauglichkeit im Langzeitverlauf mit Reagila®

Über die Anwendung in der stationären Akutbehandlung hinaus, zeigt Reagila® zudem einen überlegenen Wirksamkeitsvorteil bei Patienten mit primärer Negativsymptomatik.8Németh G et al. Lancet. 2017;389:1103–11139Earley W et al. Schizophr Res. 2019;204:282–288 Die breite Wirksamkeit bei verschiedenen Symptomausprägungen der Schizophrenie lässt sich laut Hajak auf das einzigartige Wirkprofil von Reagila® zurückführen (Abb. 2). „Durch sein innovatives Rezeptorprofil stellt Cariprazin einen besonderen Therapieansatz bei Schizophrenie dar. Als D2/D3-Partialagonist wirkt Cariprazin im Sinne eines „smart drug“, je nach Bedarf bei sowohl dopaminerger Über- als auch Unterfunktion, und deckt hierdurch eine breite Symptomkontrolle ab“, erläuterte Hajak.

Agonisten: Binden an den Rezeptor und aktivieren ihn.

Sie imitieren den Effekt einer Dopaminbindung und stimulieren den Rezeptor.

Antagonisten: Binden an den Rezeptor und aktivieren ihn nicht.

Sie hindern Agonisten, den Rezeptor zu aktivieren.

Partielle Agonisten:
Der Effekt partieller Agonisten hängt von ihrer Umgebung ab.

  • Sie haben antagonistische Aktivität, wenn es Pgroße Mengen eines Neurotransmitters gibt.
  • Sie zeigen agonistische Aktivität in Umgebungen mit Pniedrigen Mengen eines Neurotransmitters.

Schematische Darstellung der partialagonistischen Wirkung von Reagila® (mod. nach Lambert DG 2004, Liebermann JA 2004)

Die höchste Affinität aller Antipsychotika zum D3-Rezeptor führt dabei zu einer deutlichen Verbesserung negativer und depressiver Symptome sowie langfristig zu einer Steigerung des Antriebs und der psychosozialen Funktionalität. Dies belegt unter anderem das Ergebnis einer Head-to-Head-Vergleichsstudie mit Risperidon bei Patienten mit primärer, prädominanter Negativsymptomatik.8Németh G et al. Lancet. 2017;389:1103–1113 „Im Langzeitverlauf persistierende negative, kognitive oder depressive Symptome stellen ein häufiges und nicht zu unterschätzendes Problem dar, welches sich mit den meisten der verfügbaren Therapieoptionen nur schwer behandeln lässt – Cariprazin nimmt hier eine Sonderstellung ein und unterstützt die Rehabilitation und Alltagstauglichkeit der Patienten“, führte Hajak aus. „Die allgemein gute Verträglichkeit fördert zudem die Therapietreue der Patienten in der ambulanten Langzeitbehandlung.“ So zeigen etwa die Ergebnisse von Metaanalysen, dass die Reagila®-Therapie in den meisten Fällen keine oder nur geringe Auswirkungen auf das Gewicht sowie metabolische, endokrinologische, kardiovaskuläre oder sedative Parameter hat.12Citrome L. Neuropsychiatr Dis Treat. 2018;14:2563–257713Huhn M et al. Lancet. 2019;394(10202):939–95114Pillinger T et al. Lancet Psychiatry. 2020;7(1):64–77 Zu den möglichen Nebenwirkungen zählen extrapyramidalmotorische Störungen und Akathisie.12,13,14 Diese treten jedoch meist nur in leicht bis mäßig ausgeprägter Form auf und lassen sich in der Regel durch Dosisanpassungen oder entsprechende Maßnahmen gut kontrollieren. Besonders verträglich erweist sich die Reagila®-Behandlung im Hinblick auf negative Veränderungen der Stoffwechselfunktion und QTc-Verlängerung sowie die häufig mit Therapieabbruch in Zusammenhang stehende sexuelle Dysfunktion.12Citrome L. Neuropsychiatr Dis Treat. 2018;14:2563–257713Huhn M et al. Lancet. 2019;394(10202):939–95114Pillinger T et al. Lancet Psychiatry. 2020;7(1):64–77 Dies zeigte sich auch in einem von Hajak vorgestellten Patientenfall.

Patientenfall:
Im Fall eines 23-jährigen Patienten mit paranoider Schizophrenie führte die Reagila®-Therapie bei guter Verträglichkeit zu einer deutlichen Symptomverbesserung. Im August 2018 wurde der Patient in der psychiatrischen Institutsambulanz vorstellig, nachdem er die Behandlung mit Risperidon 37,5 mg in Form einer zweiwöchigen Depotspritze verweigerte. Der Patient beklagte insbesondere Denkblockaden und Erektionsstörungen. Risperidon wurde in der Folge abgesetzt und der Patient auf Cariprazin 4,5 mg/Tag eingestellt. Neben der Symptomverbesserung und dem gesteigerten Antrieb normalisierte sich auch die Sexualfunktion auf ein vom Patienten akzeptiertes Niveau.

Zusammenfassend waren sich die Experten einig: „In der Akutsituation lassen sich bei möglichst frühzeitiger Einstellung auf Cariprazin psychotische Zustände stabilisieren und im Langzeitverlauf persistierende Negativsymptome vermeiden. Patienten profitieren dabei von der allgemein guten Verträglichkeit und einer Steigerung ihres psychosozialen Funktionsniveaus. Bei guter Adhärenz führt dies langfristig zu einer Steigerung des Antriebs und der Aktivität im Alltag“.

*Pressekonferenz der Recordati Pharma GmbH vom 25.02.2021

**PANSS: Positive and Negative Syndrome Scale